Der ‘Zehnte’ – alle Bibelstellen

Hier ist nun eine Übersicht aller Bibelstellen, die den ‘Zehnten’ erwähnen. Zum Lesen einfach auf die angegebenen Stellen klicken. Es öffnet sich dann ein neues Fenster mit der jeweiligen Stelle. Es empfiehlt sich auch, die Stellen in ihrem unmittelbaren Kontext (Zusammenhang) zu lesen.

 
 

Altes Testament

Neues Testament
Worte Jesu in den Evangelien
Matthäus 23,23
Lukas 11,42
Lukas 18,12
 

            
 

  

 

Das Scherflein der Witwe

Über diese Geschichte ist schon so manche Predigt gehalten worden. Gemäß der gängigen Meinung soll die Witwe uns ein Vorbild sein, wie wir Geben sollen. Lesen wir nun zunächst den Text aus Markus 12,41-44:

41 Und er setzte sich dem Schatzkasten gegenüber und sah, wie die Volksmenge Geld in den Schatzkasten einlegte; und viele Reiche legten viel ein. 42 Und eine arme Witwe kam und legte zwei Scherflein ein, das ist ein Pfennig. 43 Und er rief seine Jünger herbei und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr eingelegt als alle, die in den Schatzkasten eingelegt haben. 44 Denn alle haben von ihrem Überfluss eingelegt; diese aber hat aus ihrem Mangel alles, was sie hatte, eingelegt, ihren ganzen Lebensunterhalt.

Wollte Jesus seinen Jüngern tatsächlich die Witwe als Vorbild geben, dem es nachzueifern gilt? Oder kann es sein, dass Jesus vielleicht etwas ganz anderes gemeint hat? Um zu verstehen, worum es bei dieser Geschichte wirklich geht, müssen wir zunächst einmal überprüfen, was die Bibel über Witwen lehrt. Anbei sind nun einige Beispiele aufgelistet:

2. Mose 22,21-22: Keine Witwe oder Waise dürft ihr bedrücken. Falls du sie in irgendeiner Weise bedrückst, dann werde ich, wenn sie wirklich zu mir schreien muß, ihr Geschrei gewiss erhören, …

5. Mose 14,28-29: Am Ende von drei Jahren sollst du den ganzen Zehnten deines Ertrages von jenem Jahr aussondern und ihn in deinen Toren niederlegen. Und der Levit – denn er hat keinen Anteil noch Erbe mit dir – und der Fremde und die Waise und die Witwe, die in deinen Toren wohnen, sollen kommen und essen und sich sättigen, damit der HERR, dein Gott, dich in allem Werk deiner Hand, das du tust, segnet.

Jesaja 10,1-2: Wehe denen, die Ordnungen des Unheils anordnen, und den Schreibern, die Mühsal schreiben, um die Geringen von ihrem Rechtsanspruch zu verdrängen und den Elenden meines Volkes ihr Recht zu rauben, damit die Witwen ihr Plündergut werden und sie die Waisen plündern!

Diese und noch weitere Verse sprechen eine deutliche Sprache: Gott hat ein großes Herz für Witwen, und er wird jeden strafen, der Witwen unterdrückt und ausnutzt. Das muß uns bewusst sein, wenn wir die Geschichte vom „Scherflein der Witwe“ aus Markus 12 lesen. Darum wollen wir den Text noch einmal betrachten. Jedoch lesen wir diesmal auch noch die vorherigen Verse, damit der Zusammenhang klarer wird.

Markus 12,38-41: 38 Und er sprach in seiner Lehre: Hütet euch vor den Schriftgelehrten, die in langen Gewändern einhergehen wollen und die Begrüßungen auf den Märkten 39 und die ersten Sitze in den Synagogen und die ersten Plätze bei den Gastmählern lieben; 40 die die Häuser der Witwen verschlingen und zum Schein lange Gebete halten. Sie werden ein schwereres Gericht empfangen. 41 Und er setzte sich dem Schatzkasten gegenüber und sah, wie die Volksmenge Geld in den Schatzkasten einlegte; und viele Reiche legten viel ein. 42 Und eine arme Witwe kam und legte zwei Scherflein ein, das ist ein Pfennig. 43 Und er rief seine Jünger herbei und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr eingelegt als alle, die in den Schatzkasten eingelegt haben. 44 Denn alle haben von ihrem Überfluss eingelegt; diese aber hat aus ihrem Mangel alles, was sie hatte, eingelegt, ihren ganzen Lebensunterhalt.

Jesus ist ein hervorragender Lehrer. Er sagt seinen Jüngern, dass die Schriftgelehrten ‘die Häuser der Witwen verschlingen’. Um zu demonstrieren, wie die Schriftgelehrten das machen, setzt sich Jesus in die Nähe des Schatzkastens, um die Menschen beim Opfern zu beobachten. Nun kommt diese Witwe, und sie gibt ihren ganzen Lebensunterhalt her. Warum macht sie das? Jesus zeigt hier genau auf, was die Schriftgelehrten taten, um solche armen Witwen regelrecht auszuplündern. Gott hatte dieser Frau keine Anweisung gegeben, alles herzugeben. Im Gegenteil: als Witwe hatte sie ein Recht auf Unterstützung. Sie jedoch gibt alles her, weil die Schriftgelehrten ihr das eingeredet hatten. Sie glaubte ihnen, und weil sie es nicht besser wusste, war sie bereit, alles zu opfern.

‘Das Scherflein der Witwe’ ist daher in keinster Weise ein Beispiel dafür, wie wir Geben sollen. Vielmehr zeigt diese Geschichte auf, dass es Gott sehr verärgert, wenn Witwen ausgenutzt und ausgeplündert werden. Die Witwe ist also kein Vorbild, dem man nacheifern sollte, vor allem dann nicht, wenn man arm und sozial schwach ist. Und wenn es uns finanziell gut geht, dann gilt es für uns zu lernen, arme Gemeindeglieder zu ermutigen und zu unterstützen, anstatt ihnen (vielleicht auch unbewusst) einzureden, dass sie von Gott nicht gesegnet sind, weil sie nicht den ‘Zehnten’ geben.

 

Die verschwiegenen Fakten

- Abraham hat niemals den Zehnten von seinem persönlichen Besitz gegeben.

- Jakob stellte fünf Bedingungen, die Gott zuerst erfüllen sollte. Erst dann wollte er den Zehnten geben.

- Nur levitische Priester konnten den Zehnten einsammeln.

- Es konnten nur Tiere und landwirtschaftliche Erträge als Zehnter gegeben werden.

- Geld konnte nicht als Zehnter gegeben werden.

- Christen wurden nie dazu verpflichtet, einen Zehnten in Form von Geld an ihre Gemeinde zu zahlen.


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