1) Ein neuer Weg
Wir haben nun ausführlich betrachtet, was die Bibel über den ‘Zehnten’ sagt. Dabei haben wir gesehen, dass der ‘Zehnte’ zum Gesetz des alten Bundes gehörte und warum er daher für Christen heute keine Relevanz mehr hat. Da stellt sich natürlich unweigerlich die Frage, wie wir mit unserem Geld umgehen sollen. Müssen wir überhaupt Geld geben? Von ‘Müssen’ kann gar keine Rede mehr sein, denn wie wir gesehen haben, sind wir Christen nicht mehr unter dem Gesetz. Wenn wir aber aus einem Pflichtgefühl geben, besteht die Gefahr, dass wir wieder gesetzlich werden und uns dadurch auch dem Fluch des Gesetzes aussetzen (siehe Galaterbrief).
Kirchen, Gemeinden, Missionswerke, christliche Dienste und Projekte usw. sind aber nun mal auf Finanzen angewiesen, um ihre jeweiligen Dienste tun zu können. Im neuen Bund jedoch wählt Gott nun einen neuen Weg. Die Unterstützung kommt nicht mehr durch das Gesetz des ‘Zehnten’, sondern durch die Herzen der Menschen, die durch den Heiligen Geist geleitet werden. Als Christen sind wir nicht mehr unter dem Gesetz. Damit sind wir auch vollständig von der Pflicht des ‘Zehnten’ befreit. Bedeutet das nun, dass wir kein Geld geben? Nein, natürlich geben wir von unseren Finanzen, jedoch tun wir das aus einer ganz anderen Motivation heraus. Wir stehen nicht mehr unter dem Zwang, geben zu müssen, sondern wir werden durch unsere Liebe zu Gott motiviert. Gott hat uns zuerst geliebt, und er hat seine Liebe in Jesus demonstriert, als dieser für uns am Kreuz starb. Geben wird daher nun ein großes Vorrecht, und Gott gibt uns die Möglichkeit, an seinem Wirken durch das Geben beteiligt zu sein. Übrigens: wenn Paulus vom Geben schreibt, dann ist es ihm ein großes Anliegen, dass wir uns zunächst selbst ganz dem Herrn hingeben, und er denkt dabei nicht immer gleich ans Geld. Daher sollten wir uns selbst die Frage stellen, wieviel Gott eigentlich von uns hat. Stehe ich ihm ganz zur Verfügung? Wie sieht es mit meiner persönlichen Hingabe an Gott aus aus? Treffe ich Gott nur am Sonntag im Gottesdienst, oder gehört ihm auch mein Alltagsleben? Unsere südkoreanischen Geschwister scheinen dies begriffen zu haben, zumindest entsteht dieser Eindruck, wenn man sieht, welch hoher Stellenwert bei ihnen das Gebet hat: frühmorgens um 5 oder 6 Uhr treffen sie sich bereits zu Hunderten in ihren Kirchen und Gemeinden, um den Arbeitstag gemeinsam im Gebet zu beginnen – jeden Morgen. Sie haben sogar Gebetsräume eingerichtet, die durchgehend geöffnet sind. Das Gebet in diesen Räumen bricht nicht ab – Tag und Nacht sind dort betende Christen anzutreffen. Und obwohl ihr Land so klein ist, entsenden die koreanischen Christen doch die meisten Missionare in die Welt.
2) Wichtige Prinzipien
Natürlich spricht Paulus auch über Geld. In 1. Timotheus 6,9-10 sagt er, z.B. dass „die Liebe zum Geld eine Wurzel für alles Böse ist“. Im gleichen Kapitel werden in den Versen 17-18 deshalb die Reichen zu guten Werken und zur Freigiebigkeit ermutigt (nicht verpflichtet).
Zwei weitere ganz wichtige Kapitel zum Thema ‘Geben’ sind 2. Korinther 8 und 9. Es lohnt sich, diese beiden Kapitel im Zusammenhang zu studieren, denn Paulus nennt hier ganz wichtige Prinzipien, die wir nun näher beleuchten werden. Es erweckt den Anschein, dass die Christen in Korinth aufhörten zu geben. Darum erzählt er ihnen von den mazedonischen Christen, die sehr arm sind und trotzdem großzügig geben (siehe 8,2). Trotz ihrer eigenen Armut sind die mazedonischen Christen in der Lage, anderen notleidenden Christen zu helfen. Paulus möchte nun die Korinther ermutigen, die mazedonischen Christen als Vorbild zu nehmen. Sehr auffällig ist auch, dass niemand die mazedonischen Christen zum Geben aufgefordert oder gar gezwungen hat. Es war ihre eigene Entscheidung, und sie betteln Paulus geradezu an, sich an der Sammlung beteiligen zu dürfen (siehe 8,4). Am Beispiel der Mazedonier sehen wir auch das erste wichtige Prinzip, wie wir geben sollen:
A) Gib dich ganz dem Herrn hin
In Vers 8,5 sagt Paulus über die Mazedonier: “sie gaben sich selbst zuerst dem Herrn”. Bevor wir überhaupt erst über das Geben nachdenken können, müssen wir uns erst einmal die Frage stellen, ob wir bereits zu Christus gehören, und ob wir uns ihm ganz geben wollen. Paulus würde wahrscheinlich sagen: “Ich will dein Geld nicht, außer du bist in Christus.” Wer kein Interesse daran hat, Gottes Wirken durch seine Gemeinde zu erleben, sollte besser sein Geld für sich behalten. Wer sich noch nicht dem Herrn hingegeben hat, sollte besser nichts in die Kollekte geben. Wer noch nicht zu Christus gehört, sollte besser sein Geld behalten. Sind wir aber in Christus, dann werden wir unsere Herzen auf seine Führung durch den Heiligen Geist ausrichten. Der Heilige Geist wird uns dann zum Geben motivieren. Wichtig ist zunächst einmal, dass wir zu Christus gehören.

B) Geben ist ein Werk der Gnade
In Vers 7 wird der Kontrast deutlich: für Paulus ist das Geben ein ‘Gnadenwerk’. Es ist deshalb ein Gnadenwerk, weil wir nicht mehr unter dem Gesetz leben, sondern unter der Gnade Gottes.
C) Wir werden zum Geben motiviert (aber nicht gezwungen)

In den Versen 7-8 ermutigt Paulus die Korinther zum Geben. Er sagt ganz unmissverständlich, dass er keine Befehle geben will. Schlussendlich liegt die Entscheidung bei den Korinthern, ob und wieviel sie geben werden. Unter dem Gesetz war dies nicht möglich. Die Menschen hatten keine Wahl und waren verpflichtet, den ‘Zehnten’ zu geben. Jetzt aber leben wir unter der Gnade, und da dürfen wir selber entscheiden, ob und wieviel wir geben wollen. Paulus motiviert uns zum Geben, aber es besteht kein Zwang.

D) Geben ist ein Test unserer Liebe zu Gott

In Vers 8 zieht Paulus noch einmal den Vergleich zu den mazedonischen Christen. Die Korinther sollen deren Situation mit ihrer eigenen vergleichen. Korinth war eine reiche Stadt, und die Gläubigen dort waren nicht so arm, wie die Mazedonier. Paulus motiviert die Korinther. Sie sollen in ihrer Liebe und Großzügigkeit mit den Mazedoniern gleichziehen. Dadurch wird auch die Echtheit ihrer Liebe auf die Probe gestellt. Das ist ein Test, dem auch wir uns stellen können: sind unsere Herzen von Liebe und Großzügigkeit geprägt. Erfreuen wir uns daran, wenn Gottes Reich gebaut wird?

E) Triff eine Entscheidung, wieviel Du geben willst, und dann halte dich daran

Die nächsten Aussagen sind sehr interessant. Paulus sagt in den Versen 10-11, dass die Korinther nicht nur das Verlangen hatten zu geben, sondern dass sie dies auch praktisch umsetzten. Sie haben diese Entscheidung aus freien Stücken und ohne Zwang getroffen. Dann kam irgendwann der Punkt, wo sie aufhörten zu geben. Paulus erinnert die Korinther an ihre Entscheidung, und er ermutigt sie, ihr Versprechen zu Geben auch weiterhin einzuhalten. Hieraus können wir ein weiteres Prinzip ableiten: triff eine konkrete Entscheidung, wieviel du geben willst, und dann halte Dich daran.

F) Gib entsprechend nach deinen Möglichkeiten

Sind Christen wirklich verpflichtet 10% ihres Einkommens zu geben? Wir haben bereits ausführlich betrachtet, dass dies nicht der Fall ist. Und hier finden wir eine weitere Bestätigung dafür. Paulus sagt in Vers 12, dass “die Bereitwilligkeit willkommen ist, nach dem, was sie hat, und nicht nach dem, was sie nicht hat.” Das bedeutet nichts anderes, als dass man entsprechend seiner Möglichkeiten gibt und nicht darüber hinaus. Die englischen Bibelübersetzungen sind an dieser Stelle noch etwas deutlicher: vgl. Vers 12 NIV, siehe auch Vers 12 KJV, und vgl. auch ‘Hoffnung für alle’. Wenn man nur über ein geringes Einkommen verfügt, wird man kaum in der Lage sein, viel zu geben. Paulus weiß davon, und er will natürlich nicht, dass man aufgrund seines Gebens selbst in Not gerät (siehe Vers 13). Das sind klare Worte, auf die auch wir in unseren Gemeinden hören sollten. Da wo noch immer der ‘Zehnte’ gepredigt wird, geraten oft ärmere Geschwister innerlich in große Bedrängnis, weil sie einfach nicht über die Mittel verfügen, um 10% davon abzugeben. Wie befreiend ist da die Botschaft des neuen Bundes. Wir stehen nicht mehr unter dem Gesetz, sondern wir geben entsprechend nach unseren Möglichkeiten.

Wie funktioniert das praktisch? Normalerweise ist es ja oft so, dass man während der Woche kaum daran denkt, wieviel Geld man am nächsten Sonntag in die Kollekte geben möchte. Daher gibt man meistens nur noch den kläglichen Rest, der von der Woche oder gar des Monats übrig ist – falls dann überhaupt noch etwas übrig ist. Wenn man aber dass Werk des Herrn vor Augen hat, sollte man bewusster im Gebet an die Sache herangehen. Bete über deine finanzielle Situation. Bitte den Herrn, dass er dir aufzeigt, wieviel du geben sollst, und dann triff eine Entscheidung. Wenn man einen Betrag festgelegt hat, ist es ratsam, diesen gleich zu Beginn des Monats für die Sache des Herrn zu spenden. So ist gewährleistet, dass man auch das einhält, was man dem Herrn verspricht. Dabei kann das Einrichten eines Dauerauftrages bei der Bank eine Hilfe sein (ist aber kein Muss). Sollte dann immer noch am Ende des Monats etwas übrig bleiben, besteht nach wie vor die Möglichkeit, davon etwas in den Klingelbeutel zu geben.

G) Geiz ist nicht geil

Wir alle haben noch die Werbung von Saturn im Ohr: Geiz ist geil. Paulus ist da anderer Meinung. Er ermutigt die Korinther zur Großzügigkeit. Ihre Gabe soll eine ‘Gabe des Segens’ werden. Korinth ist ja eine reiche Stadt, und daher sind die Gläubigen in der Lage, großzügig zu geben. So gesehen wäre es für die Korinther peinlich, wenn die ärmeren Mazedonier sehen würden, dass sie so wenig geben. Wer großzügig gibt, wird auch viel Segen ernten siehe (9,5 – 9,6).

H) Gib, was du dir in Deinem Herzen vorgenommen hast

Unter dem Gesetz war man verpflichtet, den ‘Zehnten’ zu geben. Laut Vers 7 haben wir jetzt die Wahl und treffen ganz ohne Zwang in unserem Herzen die Entscheidung, wieviel wir geben werden. Wir beten und bitten Gott, dass er uns durch seinen Geist Klarheit schenkt, damit wir die richtige Entscheidung treffen können.

I) Gott liebt einen fröhlichen Geber (Vers 7)

Fröhlich werden wir, wenn wir uns bewusst machen, was Gott alles für uns getan hat und womit er uns täglich segnet. Fröhlich können wir auch sein, über die Art und Weise, wie Gott unsere Gaben zu seiner Ehre einsetzt. Da wir nicht mehr unter dem Gesetz leben, sind wir überhaupt erst in der Lage, fröhlich zu geben.

J) Geben bringt Segen

In den Versen 8-11 zeigt Paulus den Segen auf, den Gott bereit hält, wenn man ein fröhlicher Geber ist. Gott ist in der Lage, uns alles zu geben, was wir brauchen.

K) Geben ist ein Ausdruck der Dankbarkeit

In Vers 12 spricht Paulus noch einmal unsere Herzenshaltung an. Es geht nicht nur ums Geben, damit anderen geholfen wird. Im Geben kommt unsere Dankbarkeit zum Ausdruck. Gott hat das Kostbarste gegeben, um uns einen Platz in der Ewigkeit bereiten zu können. Er hat dafür mit einem teuren Preis gezahlt – mit dem Leben seines Sohnes Jesus Christus. Wenn wir mit ganzem Herzen geben, dann ist dies einfach nur ein Weg, um Dank zu sagen. Dank für die Erlösung. Dank aber auch für das Vorrecht, mit unseren Finanzen an Gottes Werk beteiligt sein zu dürfen. Haben wir diese Haltung?


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