1) Wann begann der neue Bund?

Oft wird gesagt, Jesus habe im neuen Bund den Zehnten bestätigt, und daher seie der Zehnte auch für Christen relevant. Oft wird dabei aber übersehen, dass der neue Bund nicht mit dem Neuen Testament gleichzusetzen ist. Wann also begann der neue Bund? Als Jesus kam und auf der Erde lebte, gab es noch den alten mosaischen Bund. Durch den Tod Jesu am Kreuz und durch seine Auferstehung beschloß Gott einen neuen Bund. Durch die Ausgießung des Heiligen Geistes ist es nun möglich, diesen persönlich in Anspruch zu nehmen. Daher fallen alle Ereignisse in den vier Evangelien, die vor der Kreuzigung berichtet sind, noch in die Zeit des alten Bundes.

2) Jesus und die Pharisäer

Jesus erwähnt den Zehnten dreimal im Neuen Testament. In Matthäus 23,23 und in Lukas 11,42 bestätigt er, dass die Pharisäer den Zehnten gaben. Dazu waren sie ja auch per Gesetz verpflichtet, da zu der damaligen Zeit der alte Bund noch aufrecht war. Jesus macht hier jedoch keine Aussage, aus der man schließen könnte, dass auch Christen den Zehnten abgeben müssen. Vielmehr kritisiert er die Herzenshaltung der Pharisäer.

Die dritte Stelle, in der Jesus den Zehnten erwähnt, befindet sich in Lukas 18,9-14. Hier erzählt er das Gleichnis vom stolzen Pharisäer und vom Zöllner. Auch durch dieses Gleichnis ermahnt er wieder die Pharisäer, die mit einer falschen Herzenshaltung den Zehnten gaben und stolz auf ihre (falsche) Frömmigkeit waren.

Die Aussagen Jesu in diesen Stellen waren keine Anweisungen an die Gemeinde im neuen Bund. Auch wenn wir diese Aussagen im Neuen Testament finden, so gehören sie noch zur Zeit des alten Bundes, und sie waren an Menschen gerichtet, die noch im alten Bund lebten. Durch seinen Tod und durch seine Auferstehung vollbrachte Jesus in der geistlichen Welt ein unglaubliches Werk, welches uns Menschen in eine völlig neue Beziehung zu Gott brachte.

3) Eine neue Beziehung

Wie wir bereits in der Betrachtung zu Maleachi 3 gesehen haben, beraubte Israel den Herrn, weil es nicht den ‘Zehnten’ gegeben hatte. Der ‘Zehnte’ bestand aus Tieren und landwirtschaftlichen Erträgen, jedoch war in dieser Situation das Vorratshaus leer. Im alten Bund gehörte der ‘Zehnte’ nun mal dem Herrn, und daher beraubte Israel Gott, als es den ‘Zehnten’ nicht einbrachte. Als Christen, die im neuen Bund nicht mehr unter dem Gesetz stehen, haben wir jedoch eine ganz andere Beziehung zu Gott. Streng genommen ist der neue Bund eigentlich ein Bund zwischen Gott dem Vater und seinem Sohn Jesus Christus. Aus diesem Grund ist es ein perfekter Bund, der nicht von uns fehlbaren Menschen abhängig ist, die ihn vielleicht brechen könnten. Wir sind in diesen neuen Bund mit hineingenommen durch unsere Verbindung mit Jesus Christus. Dadurch teilen wir auch seine Beziehung zum Vater. Der Vater hat bereits alles dem Sohn gegeben. Jesus Christus ist der rechtmäßige Eigentümer und Besitzer aller Dinge. Weil wir in Christus sind, und weil wir sein Leib sind, sind wir auch Miteigentümer mit ihm. Beachten wir folgende Bibelstellen (zum Lesen anklicken):

Röm 4,13

Gal 3,16        Gal 3,29

1. Kor 3,21-23

Alles gehört Christus und uns gemeinsam. Es gibt nichts, das uns gehört, was Christus nicht gehören würde. Aus diesem Grund können wir Gott gar nicht berauben, wenn wir nicht den ‘Zehnten’ geben. Die Bindung im neuen Bund besteht auf beiden Seiten zu 100%. Darum geht es auch nicht mehr um den ‘Zehnten’, sondern darum, dass man beständig der Leitung des Heiligen Geistes folgt.

Unsere jetzige Beziehung mit Gott kann man nicht mit jener Beziehung vergleichen, die die Menschen im alten Bund mit Gott hatten. Als Christen gehören wir nicht mehr uns selbst. Wir wurden teuer mit dem kostbaren Blut Jesu erkauft. Auch Gott gehört nicht mehr sich selbst. Er hat sich ganz hingegeben, um unser Vater und Erlöser zu sein. Wir leben also nicht mehr so wie jene, die zur Abgabe des ‘Zehnten’ verpflichtet waren. Wir sind zu weitaus mehr berufen, nämlich in vollkommener Hingabe zu Gott und seinen Absichten zu leben. Das ist die neue Norm von 100%-iger Hingabe im neuen Bund. Leider wird heutzutage viel zu selten in Kirchen und Gemeinden gelehrt, welch wunderbare Beziehung wir mit Gott haben. Die Zeit ist reif, dass Christen nicht nur Milch sondern feste Speise als geistliche Nahrung bekommen (siehe Heb 5,12-14). Es ist an der Zeit, dass sie wie Kinder Gottes behandelt werden, die durchaus in der Lage sind, zur vollen Reife in Christus zu gelangen. Unser Maßstab ist nicht 10%, sondern es ist Jesus Christus, der selbst alles gab. Der Apostel Paulus ist uns ein Vorbild. Er war ganz auf Christus ausgerichtet (siehe Phil 3,7-8).

4) Ein neues Priestertum

Der Hebräerbrief spielt in der Frage nach dem ‘Zehnten’ eine wichtige Rolle. Der Schreiber will den Judenchristen nämlich aufzeigen, dass das Gesetz des alten Bundes für sie als Gläubige in Christus  nicht mehr maßgebend ist. Zu Beginn des Briefes schreibt er zunächst von der Einzigartigkeit Jesu, der viel größer als alle Propheten, Engel oder gar Moses ist. Es war wichtig, dies alles so detailliert zu schildern, denn die Judenchristen hielten ganz innig an den Propheten und am Gesetz fest, anstatt die Gnade bereitwillig anzunehmen. In Hebräer 7 schreibt der Verfasser dann über Melchisedek und auch über den ‘Zehnten’. Zunächst erfahren wir in Hebräer 7,4, dass Abraham nicht den ‘Zehnten’ von seinem persönlichem Besitz sondern von der Kriegsbeute gab (siehe auch ‘Vor dem Gesetz’), die er von den drei Königen nahm, welche seinen Neffen Lot entführt hatten. In den nächsten Versen wird nun erklärt, dass im alten Bund ein ‘Zehnter’ an die Leviten abzugeben war. Wir haben bereits gesehen, dass dieser ‘Zehnte’ aus Tieren und landwirtschaftlichen Erträgen bestand.

  
In Hebräer 7,8 ist wieder die Rede von Melchisedek. Von ihm wird bezeugt, dass er lebt. Viele Bibelausleger sind daher der Meinung, dass Melchisedek eigentlich niemand anders war als Jesus Christus. Für unsere Thematik spielt diese Frage jedoch keine Rolle. Vielmehr gibt es in Vers 8 und 9 zwei schwierige Aussagen, die in der Gegenwart formuliert sind:

           
Vers 8: … hier zwar empfangen sterbliche Menschen die Zehnten …
Vers 9: … Levi, der die Zehnten empfängt …


Sind dies nun Anweisungen an Christen, den ‘Zehnten’ zu geben? Das würde im Widerspruch mit dem eigentlichen Anliegen stehen, welches den Schreiber des Hebräerbriefes bewegt. Er möchte ja erreichen, dass die Hebräer vom Gesetz des alten Bundes loskommen. Was er hier in den Versen 8-9 macht, ist nichts anderes, als dass er die damalige Situation im alten Bund beschreibt (vgl. Hoffnung für alle). Und der alte Bund gehört nun der Vergangenheit an, wie er in den folgenden Versen beweist. Ab Vers 12 schreibt er, dass das Gesetz geändert wurde, weil das Priestertum geändert wurde. Das vorherige Gesetz ist aufgehoben, und wurde ersetzt durch eine bessere Hoffnung. Jesus ist der Bürge dieses neuen Bundes und zugleich Hohepriester, der in Ewigkeit bleibt (siehe Verse 18-22).

       
Der ‘Zehnte’ war Bestandteil des vorherigen Gesetzes, welches dem Volk auf der Grundlage des Levitischen Priestertums gegeben wurde (siehe Vers 11). Der Verfasser des Hebräerbriefes sagt ganz klar, dass das Gesetz geändert wurde. Die Grundlage für Christen basiert einzig und allein auf dem neuen Priestertum.


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